Weihnachtseinkäufe in Zeiten der Krise
Rainier Piqual am 15.12.08
Ich hatte am Wochenende ein interessantes Gespräch mit meinem Busenkumpel Baumann Baumann. Er beendete vor kurzem sein Studium und muß seit dem auch auf die Halbwaisenrente verzichten, die er bekommen hatte – sein Vater war von einer Südamerikareise nie zurückgekehrt und nach vier Jahren für tot erklärt worden. Und jetzt musste er ohne Weihnachtsgeld (Halbwaisenrente) Weihnachtsgeschenke einkaufen.
Er wollte also Geschenke in diversen Konsumtempeln einkaufen, war aber immer zu wenn diese auf hatten und umgekehrt. Naja, er ist nun mal ein Kiffer und kommt nicht auf das frühe Einsetzen der Dunkelheit klar. Ich hatte auch Glück ihn überhaupt per Telefon zu erreichen, solche Leudies erreicht man am besten unter vier Augen mit überwiegendem Weißanteil. Also hatte er im Internet nach potentiellen Geschenken geguckt, das war ja immer auf. Er fand aber nicht ein einziges doofes Geschenk, alles kostete Geld.
Naja, seinen Großeltern war das egal, der Opa würde sich auch über 500 Gramm Leberwurst oder eine schwarzgebrannte Guido Knopp-Dokumentation über Nazis, Rußland oder so freuen. Für Oma sollte es eine Schachtel Pralinen aus eingeschmolzenen Schokoweihnachtsmännern mit angedaddeltem Studentenfutter geben. Mal ne Nuß oben drauf und mal ne Rosine als süße Überraschung in die Mitte des Schokomutanten. Sie sahen alle aus wie Körperteile, erzählte er. Die Geschlechtsteile hatte er vorsichtshalber selbst gegessen.
Fehlte nur noch das Geschenk für seine Mama. Da war er sich aber nicht so sicher, die würde schließlich noch eine Weile am Leben bleiben, bei Oma und Opa war es eh bald vorbei, auch würde er als baldiger Arbeitnehmer auch noch deren Rente zahlen! Genug ist genug! Er wollte seiner Mama also entweder sich selbst als kehrkräftiger Mitbewohner schenken (sein Mietvertrag lief zum Jahresende aus und eine Wohnung konnte er sich während seiner Auszeit nicht leisten) oder eine Reise an die Costa Brava. Alleine und zu Fuß. Klasse!
Ich riet ihm von beidem ab und empfahl ihm, lieber auf die Wirtschaftskrise zu verweisen und nichts zu schenken. Ich legte ihm die Worte in den Mund: Das Geld zum Bezahlen des Geschenkes, sowie das Geschenk selbst seien ja von dieser Krise quasi verschluckt worden! Er selbst müsse jetzt auch wieder zu Hause einziehen, in seinem Studienort sei es ganz schlimm mit der Wohnungskrise. Auch und gerade wegen Weihnachten, sei zu Hause die eigene Sinnkrise am ehesten zu überwinden.
Wenn selbst Josef Ackermann schon Unterstützung braucht, dann kann er doch nicht wie ein Hund davongetreten werden! Jesus hatte an Weihnachten doch auch nur Kräuter und Drogen bekommen. Auch wenn er nichts von einer Krise gehört hatte, das mit Jesus und den Kräuterdrogen überzeugte ihn schließlich.



