Taubenlothars Weg in die Kurzarbeit
Rainier Piqual am 21.04.09
Der Tag beginnt. Taubenlothar wuchtet sich aus seiner durchgelegenen Wanne. Zack! Da steht er wie eine deutsche Eiche, komplett einsatzbereit mit Blaumann und 15er Maulschlüssel in der Hand. Er hält kurz inne, sagt <>, klatscht sich seine Schwulstpranke ins Gesicht, als ob er sich wecken wolle und stellt sich auf seinen zum Skateboard ummontierten Wagenheber. Ab in die Küche.
Zielsicher greift er dort ins Regal zum Milupa Kinderbrei und verrührt diesen in einer Tupperdose mit den Taubeninnereien von gestern. Die Schwulstpranke schlackert beim Rühren gegen die Gefäßgrenzen, die in ihr vermantelte Gabel ist nicht zu erkennen. Es klingt, als ob jemand beim Staubsaugen mit dem Saugrohr gegen Tisch‑ und Stuhlbeine stößt, nur ohne das Sauggeräusch, auch wenn Taubenlothars Schnappatmung davon nicht weit entfernt ist.
Schließlich hat er gefrühstückt, die Details, wie die blutigen Brocken Achterbahn‑ähnlich den Schlund runterrattern, lassen wir aus. Mund abgewischt, aus dem Haus, aufs Fahrrad.
Am Arbeitsplatz angekommen, trifft er Manfred, der gerade einen Wagen aus der Werkstatt fährt.
„Moin. Du sollst mal zum Chef kommen.“
„Jo.“
„Ich hoffe is nich wegen der stinkeneden Taubenköppe in der Schrittecke.“
Also ab zum Chef. Herr Petschalies sitzt in seinem Büro und rührt im Kaffee, als Taubenlothar eintritt. Er wird für seine gewissenhafte Arbeit gelobt, dann Themenwechsel zur Wirtschaftskrise, Abwrackprämie, Auftragsmangel. Schließlich ist es raus: Kurzarbeit. Die Tauben könne er sich aber gerne trotzdem noch holen.
Und so steht er wie ein begossener Pudel vor der Werkstatt an seinem Fahrrad und starrt sein buntes Windrad an. Kurzarbeit ist wie Urlaub im Keller, weiß er, aber will er nicht. Was tun?
Fortsetzung folgt.



