Peter blieb sein Schlafanzug

Rainier Piqual am 27.01.08

Hier nun eine Geschichte, die mehr als nur die Texterzähldimension bietet. Viel Spaß :)
Peter wachte auf, weil jemand an seiner Tür klingelte. Es war genau 10 Uhr an einem Samstag, er musste nicht arbeiten und er wollte eigentlich ausschlafen (den Rausch ausschlafen?). Er wusste auch nicht wer das an seiner Tür sein könnte (darüber machte er sich im Halbschlaf eigentlich gar keine Gedanken).

Peter rief laut: „Andi, geh doch mal Andi Tür“ und fand das und sich selbst sehr lustig; er hatte diesen Witz vor 10 Jahren im Fernsehen gesehen (die Wochenshow war’s). Er stieg aus dem Bett und schlurfte zur Tür, sein Schlafanzug ging an ihm mit (seinen Bademantel zog er nur bei Frauenbesuch an). Er öffnete die Tür soweit, daß er durch den Spalt mit dem Klingelden sprechen können würde (er wollte ja auch nicht sein hervorlugendes Brusthaar zur Schau stellen). Vor der Tür waren vier Männer. Der vorderste sagte:“Hallo, ich komme um die Sachen abzuholen“, öffnete die Tür weit auf und die Truppe marschierte in Peters Wohnzimmer ein. Stillgestanden. Weiter ins Schlafzimmer. Dort bauten sie das Bett und denn Kleiderschrank ab und gingen wieder (gelungene Kriegsmetaphorik – Peter geht es wie Polen 1939).

Die Tür fiel hinter ihnen ins Schloss und Peter wollte wieder ins Bett gehen. Als er aber dessen Fehlen bemerkte, kam ihm nun auch der Halbschlaf abhanden und dies gipfelte in einem „Ey, die haben mein Bett geklaut“. Seine Gedanken beschleunigten und beschleunigten seinen Körper, der im Schlafanzug seine Mietswohnung im vierten Stock verließ und das Treppenhaus runterraste. Er hatte nicht einmal seine Hausschüchchen an (mit der Schumilette hätte er sicherlich noch einige Sekunden rausholen können). Auf dem Weg nach unten kamen ihm ein paar andere Leute entgegen; er kannte sie nicht. Unten angekommen schoß er aus der Haustür hinaus, sein Schlafanzug wehte hinter im her, wie es eigentlich sein Haupthaar tun sollte, es war jedoch trotz Alpecin (Abzocke) nur noch spärlich vorhanden. Er guckte wild suchend nach links und rechts und sah gerade noch den Oberst (schon wieder Militär) in einen Lieferwagen einsteigen. „Öööy“, gröhlte er und setzte zum Endspurt an. Doch zu spät, die Truppe war schon im Morgenverkehr verschwunden. Fluchend schlich er das Treppenhaus hoch.

Im Fahrstuhl fuhren andere Leute gerade andere Einrichtungsgegenstände seiner Wohnung nach unten (dazu waren sie angewiesen worden). Als Peter mit dem linken Fuß den vierten Stock betrat, sah er wie sich die Fahrstuhltür langsam aber sicher schloß (Tja, Peter, ohne Schumilette…). Seine Wohnungstür war aber auf. Als Peter wieder in seinem Wohnzimmer stand, stand er, weil er sich nicht hinsetzen konnte. Bis auf die mittelgroße Elefantenfußpalme (die hatte sich nicht verkauft) war nichts mehr da. Peter ging mental derangiert in die Küche, machte sich und der gerufenen Polizei einen Kaffee (alle Welt trinkt Kaffee) und erstattete schließlich Anzeige gegen Unbekannt (wenigstens etwas).

Was er nicht wusste, war, daß sein Nachbar (Herr Plampi) aus dem Mietshaus gegenüber mit einem Teleobjektiv die Gegenstände von Peters Wohnung fotographiert und bei Ebay inseriert hatte (Nebenverdienst für Überwacher?). Da er angab unter Bewußtseinsstörungen zu leiden, bat er die Käufer einfach zu klingeln und die Sachen rauszuholen, unabhängig davon, wie er reagiere (sehr gewitzt). Er hatte ein sehr gutes Geschäft gemacht.

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