Fiktive Pornographie als dickes Zukunftsgeschäft ?

Rainier Piqual am 21.12.08

spongebob.jpgGestern Abend war ich noch spontan bei Baumann Baumann. Er hatte mich angerufen und gefragt, ob ich mit ihm ein paar Partyreste entsorgen wolle. Leider waren das nur so kleine Verteiler und anderes kaputtes Zeug. Mir blieb also nur Alsterwasser von Adelskrone, wovon man allerdings eher zucker‑ als alkoholkrank wird; sein Mitbewohner überließ mir ungefragt vier Flaschen.

Es lief wie immer ab, Baumann Baumann verhaftete ne Tüte und ich musste mich darin üben, wie ein Altenpfleger zu sprechen: Langsam und deutlich. Aber als kommender Altenpfleger musste ich mich natürlich über neue Drogen informieren, um erstens zu wissen was die Leute mit 50 ins Altenheim bringt und zwotens womit man die Alten später wird ruhigstellen können. Ritalin ist ja verschreibungspflichtig, und so kann ich mir dann noch etwas nebenbei verdienen sobald die Grasgeneration in den Todesbunker kommt. Die fangen ja dann nicht plötzlich an sich ein zu löten!

Ich befrug ihn also nach „Spice„, der Modedroge getarnt als Räucherwerk. Die Wirkung von Spice beschrieb er als „Eingleiten in ein zum Backen separiertes Eigelb, das schließlich auf den Plätzchen verstrichen wird und bei 180° durchbackt“. Natürlich brachte er diesen Satz nicht als ganzes über die Lippen, es war mehr wie eine Geburt von Fünflingen; mit Schmerzen und viel gut zureden. Bei „Gras wird man aber nicht so derbe durchgebacken“, schob er noch hustend nach. Er hatte es bisher immer geschafft mir seine Drogen als Metapher erfahrbar zu machen, was mit mir als Ökoheini gar nicht so einfach war. Vielleicht schrob er ja in seiner Freizeit auch Drogenmetaphern in einer Zukunftssprache (ein hochmodulares Anglizismengulasch), um die Wirkung der Nachwelt zugänglich zu machen, wenn alle Drogen einst verboten sein werden. Ein kaputter Idealist!
Richtig interessant wurde es jedoch als er mir von seinen Spongebob-Pornos erzählte. Ich hatte mich gerade an die Neige meines letzten Alsters gemacht, da brach es aus ihm heraus: „Hast du Bock auf einen Fiktivporno?“ Er meinte fiktive Pornographie; wenn beispielweise Comicfiguren sich aneinander vergehen und es eben davon einen Film gibt.
„Spongebob hat so viele Löcher, Mann!“ Er glaubte fest daran, daß dies bald ein ganz großes Geschäft werden wird, sobald – im Winter neigte er zu Kulturpessimismus – die reale Pornographie komplett verboten worden sei. Er wollte mir unbedingt „Spongebob – Ein Schwamm saugt sich voll“ zeigen, ich lehnte aber dankend ab. Demnächst wollte er mit eigenen Zeichnungen ins dicke Geschäft einsteigen, er musste sich aber noch einen Bleistift und Papier kaufen. Ich gab ihm zu bedenken, daß er sich wohl auch eigene Figuren ausdenken sollte, nicht, daß er wegen Urheberrechtsverletzung auf der Höhe seines Schaffens in den Knast muß. Von fiktiver Kinderpornographie wollte er sowieso die Hände lassen, gegen die „vielgliedrigen Chinesen“ käme er niemals an.

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