Eine Beleidigung to go bitte, du Hund!

Rainier Piqual am 16.12.08

heasslichster_hund.jpgGeorge Bush besuchte vor ein paar Tagen den Irak. Nochmal irgendwohin. Ein Iraker warf auf einer Pressekonferenz seine Schuhe auf ihn (Größe 43) und rief „Das ist der Abschiedskuß, du Hund!“. Er traf nicht. Vielleicht hätte ihm jemand Schneeschuhe oder ein paar Skier besorgen sollen.
Aber warum wirft er mit Schuhen? Was solln das? Naja, er war vorher tagelang durch Bagdad geirrt und hatte seine Schuhe schön in Hundekot gewälzt. Dann einen Tag die feuchte Masse in die Sonne zum Antrocknen legen und auf zur Pressekonferenz. So viel zum Schuh. Aber was soll das mit dem Hund?
Der Hund, da sind sich die meisten Religionen einig, stinkt und ist dreckig. Ein niederes Objekt, das nur hechelt und kackt. Man könnte jetzt einwenden, daß der Hund doch der beste Freund des Menschen sei, aber genau das ist er ja. Der Hund ist der menschliche Gegenpol auf Lebewesenebene (sieben „E“s in einem Wort!), deswegen hat er ihn domestiziert, um den „Köter“ immer als schlechtes Beispiel parat zu haben. Viele Hochzeiten basieren auf der selben Idee, doch werden diese unter dem schmackhaften Teigmantel der Liebe und Religion herzhaft lecker gebacken.
Aus diesem engen Kontakt stammen stehende Begriffe wie „räudiger Hund“, „harter Hund“ oder auch nur „du Hund!“. Insbesondere letzteres erfährt neuerdings stetig Zuspruch.
Ich hatte kürzlich mal an einem kurzen Beitrag für den lokalen Fernsehsender mitgewirkt, knapp drei Minuten Lücke mussten gefüllt werden. In den drei Minuten beleidigte ich unwissentlich Hartz4-Empfänger. Wochen später musste ich ins Arbeitsamt, ich wollte im Warteraum Platz nehmen, wurde aber von einem Anwesenden erkannt und mit „Du Hund!“ geschmäht, als er eine Zeitschrift nach mir warf. Eine Entschuldigung war nicht mehr drin, die Fronten waren verhärtet.
Der Warteraum im Arbeitsraum ist zwar kein Salon, aber salonfähig wird der Hund bald werden, spätestens wenn es als angebliches Jugendwort den Weg in die Feuilletons findet. Losgelöst von Religionsballast ist es ein echtes Trendwort wie „Input“ oder „Ticket“! Knapp und treffend ist es eine Beleidigung to go, erst recht, wenn man bedenkt, daß sie eng mit Schuhen verbunden ist, du Hund!

Zeitungsbericht.

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