Der Tod des Hefetieres!

Rainier Piqual am 05.06.07

Es begann an Tag 27 mit der letzten Fütterung: Haferflocken und Kandis. Die Menge sollte es dazu veranlassen zu denken, dass das Leben jetzt richtig losgeht.
Tag_27.JPG
Einen Tag später hatte es die Flocken und Kandis überwallt, überwuchert. Dass ich es in eine Glasschüssel umsetzen musste hängt damit übrigens zusammen; es sollte die Welt sehen.
Tag_28.JPG
Soweit zu den Vorbereitungen. Am wiederum nächsten Tag nahm ich es mit in die Küche, gab Mehl und Milch hinzu, und walkte es durch. Ich verdünnte ihm sein Lebensgeist.
Tag_29.JPG
Aber es schien Böses zu ahnen, es klammerte sich fest und versuchte mich anzugreifen, aber es war zu schwach, zu verdünnt. Mit noch mehr Mehl strafte ich es ab. Seinen Beschwörer anzufallen, wie es mit dem Zauberlehrling geschah – nein!
Tag_29b.JPG
Darauf folgte der vorletzte Schritt – in die Backform! Still war es geworden. Im Dämmerzustand in den Backofen, in den Tod!
Tag_29c.JPG
45 Minuten, 200 Grad. Aus und vorbei. Ein Bild vom Leichnam habe ich wohl doch nicht gemacht, ich finde es jedenfalls nicht. Tut mir leid. Meine Mama war gerührt als ich es ihr übergab. Es roch säuerlich, es hatte bis zuletzt gerungen. Ich hätte es im elektrifizierten Wasserbad sanft töten sollen, wie es mit Chicken McNuggets geschieht. Meine Mama aß es nicht wegen der Säure, mein Bruder verschlang es mit den beim Beschnuppern ausgerufen Worten: „Oh, ein Bierbrot!“
Ich danke dem Hefetier für die Zeit die es mit mir verbrachte. Mein Fazit des Domestizierungsversuches ist positiv. Genauer: Ein Hefetier zu halten ist nicht aufwendig; gelegentliches füttern und umrühren. Leider gibt es nicht viele Möglichkeiten der Interaktion. Die Verhältnismäßigkeit zwischen Herr und Hefe ist einfach nicht gegeben. Der Mensch ist zu weit entwickelt, oder ist es die Hefe? Das Leben könnte so einfach sein. Verdammt.

Kommentieren

Folgenarchiv

Beitragsarchiv

Unser Fruuml;hlingshit
POWER kaufen